Ein von der Bjarke Ingels Group entworfener Pop-up-Veranstaltungsort mit einer Kapazität von 50.000 Personen, umgeben von einem 40 Hektar großen Kulturpark – Shakiras Madrider Residenz markiert das nächste Kapitel in der Entwicklung maßgeschneiderter Veranstaltungsinfrastruktur.
Wenn Shakira im September in Madrid ihre rekordverdächtige Welttournee „Las Mujeres Ya No Lloran“ mit einem Konzert abschließt, tritt sie nicht in einer bestehenden Konzerthalle auf. Stattdessen errichtet Live Nation eigens für dieses Event ein komplett neues, temporäres Stadion – das Estadio Shakira (Shakira-Stadion) – im Madrider Stadtteil Villaverde. Für Eventprofis ist dieses Projekt ein faszinierendes Beispiel dafür, wie sich die Infrastruktur für großflächige temporäre Veranstaltungen von einer logistischen Notwendigkeit zu einer kreativen und kommerziellen Strategie entwickelt.
Veranstaltungsort: Estadio Shakira (Shakira-Stadion)
Das Estadio Shakira wird sich über vier Hektar innerhalb des Iberdrola-Musikkomplexes erstrecken, einem 185.000 m² großen Veranstaltungsgelände in Villaverde, südlich von Madrid. Entworfen vom international renommierten Architekturbüro BIG (Bjarke Ingels Group), bietet das temporäre Stadion Platz für über 50.000 Zuschauer pro Abend, mit rund 26.688 Sitzplätzen, 25.000 Stehplätzen und etwa 3.000 VIP-Plätzen.
Der Veranstaltungsort verspricht von jedem Platz aus optimale Sicht, modernste, auf das Open-Air-Format abgestimmte Akustik und erstklassige Fanerlebnisse, die die Grenzen zwischen Konzert und immersivem Event verschwimmen lassen. Er wird innerhalb weniger Wochen auf- und abgebaut – eine enorme Leistung temporärer Konstruktion, die verdeutlicht, wie ausgefeilt modulare Eventarchitektur mittlerweile ist.
Shakiras Konzertreihe umfasst aktuell elf Termine: den 18., 19., 20., 25., 26. und 27. September sowie den 2., 3. und 4. Oktober. Aufgrund der überwältigenden Nachfrage wurden kürzlich zwei zusätzliche Shows angesetzt. Bei voller Auslastung könnten insgesamt über 550.000 Besucher erwartet werden.
Macondo Park: Ein 40 Hektar großes Kulturziel
Doch das Stadion ist nur ein Teil der Geschichte. Rund um das Estadio Shakira entsteht der Macondo Park – ein weitläufiger Kulturraum von über 40 Hektar, der die Veranstaltung von einer Konzertreihe in ein ganztägiges Erlebnis verwandelt.
Benannt nach der fiktiven Stadt in Gabriel García Márquez’ Roman „Hundert Jahre Einsamkeit“, bietet der Macondo Park Live-Musikbühnen, Kunstinstallationen, einen Bereich mit lateinamerikanischer Gastronomie, Kreativworkshops, Filmvorführungen, Vorträge, Konferenzen und Kunstausstellungen. Jeder Veranstaltungstag ist auf bis zu zwölf Stunden – von Mittag bis Mitternacht – ausgelegt und bietet den Besuchern somit weit mehr als ein zweistündiges Konzert.
Das Kulturprogramm steht unter dem Dachkonzept „Es Latina“, kuratiert von Shakira selbst, und positioniert Madrid als temporären Treffpunkt für Künstler und Kreative aus Lateinamerika und Europa. Es wird sogar Macondito geben, einen eigens dafür eingerichteten Kinderbereich, der in Zusammenarbeit mit Shakiras Söhnen Milan und Sasha entstanden ist – ein Detail, das den familienfreundlichen und altersgerechten Anspruch des Events unterstreicht.
In Adeles Fußstapfen treten und die Messlatte höher legen
Das Konzept eines eigens für eine Konzertreihe errichteten temporären Stadions wurde im August 2024 erstmals in großem Maßstab erprobt, als Adele zehn Konzerte in einer eigens dafür gebauten Pop-up-Arena auf dem Messegelände München gab. Die Arena bot Platz für 80.000 Fans pro Abend und verfügte über die weltweit größte durchgehende LED-Leinwand (220 Meter lang, 4.160 m² groß). Die angrenzende Entertainment-Zone „Adele World“ umfasste Themenbars, Fahrgeschäfte und eine Nachbildung des Londoner Pubs, in dem Adele ihre ersten Konzerte gab. Insgesamt wurden über 730.000 Tickets verkauft.
Das Shakira-Projekt in Madrid orientiert sich eindeutig am Münchner Konzept – und erweitert dieses Modell deutlich. Während Adele World primär ein Unterhaltungs- und Gastronomiebereich war, positioniert sich der Macondo Park als eigenständiges Kulturfestival. Die Beteiligung von BIG, einem der weltweit renommiertesten Architekturbüros, signalisiert ebenfalls einen Wandel: Es handelt sich nicht mehr nur um großflächige temporäre Bauten, sondern um gestalterische Statements, entworfen von denselben Büros, die auch dauerhafte Kulturdenkmäler prägen.
Wichtigste Erkenntnisse für die Veranstaltungsbranche
Für Veranstaltungsplaner und -produzenten wirft der Aufstieg maßgeschneiderter temporärer Stadien wichtige Fragen auf – und eröffnet bedeutende Möglichkeiten. Dieses Modell beseitigt im Wesentlichen den traditionellen Kompromiss, die Vision eines Künstlers an die Gegebenheiten eines bestehenden Veranstaltungsortes anzupassen. Anstatt eine Show an ein Fußballstadion oder eine Arena anzupassen, wird der Veranstaltungsort um die Show herum konzipiert. Sichtlinien, Akustik, Hospitality-Bereiche und Zuschauerströme können von Grund auf optimiert werden, ohne die Einschränkungen einer permanenten Infrastruktur, die für einen anderen Zweck konzipiert wurde.
Auch die wirtschaftlichen Vorteile sind überzeugend. Eine mehrtägige Residenz in einem eigens dafür errichteten Veranstaltungsort reduziert die enormen Kosten einer Tournee – Transport, Auf- und Abbau einer kompletten Produktion in Dutzenden von Städten. Stattdessen wird ein Veranstaltungsort nur einmal gebaut, die Produktion nur einmal installiert, und der Künstler tritt an mehreren Abenden auf. Das begleitende Kulturprogramm (Gastronomie, Kunst, Einzelhandel, Erlebnisse) generiert zusätzliche Einnahmequellen und verlängert die Verweildauer weit über das Konzert hinaus.
Das Modell ist jedoch nicht ohne Herausforderungen. In Madrid hat das Projekt „Estadio Shakira“ eine politische Debatte ausgelöst. Der spanische Regierungsvertreter in Madrid äußerte Bedenken hinsichtlich Sicherheit, Barrierefreiheit und Verkehrsführung am Standort Villaverde und verwies auf organisatorische Mängel bei einem Harry-Styles-Konzert am selben Ort im Jahr 2023, als das Verkehrschaos dazu führte, dass Konzertbesucher auf der Autobahn M-45 laufen mussten. Genau diese operativen Herausforderungen müssen Veranstaltungsprofis bewältigen, wenn eigens dafür errichtete temporäre Veranstaltungsorte immer häufiger zum Einsatz kommen.
Ein neuer Entwurf für Live-Events
Die Entwicklung ist eindeutig. Von Adele in München bis Shakira in Madrid etabliert sich das eigens dafür errichtete temporäre Stadion als neues Format in der Live-Event-Landschaft – ein Format, das architektonischen Anspruch, kulturelle Programmgestaltung und kommerzielle Strategie zu einem einzigen, zeitlich begrenzten Erlebnis vereint.
Für Veranstaltungsplaner, die diese Entwicklung beobachten, stellt sich nicht mehr die Frage, ob sich dieses Modell weiter verbreiten wird, sondern wie schnell es sich ausweiten wird und welche Künstler, Marken oder Organisationen als Nächstes ihr eigenes Stadion von Grund auf bauen werden.
Quelle: Photo: Live Nation








