Die Bürgermeister von Boom und Rumst haben den Antrag von Tomorrowland auf eine Genehmigung für die verschobene Ausgabe des Tanzfestivals Ende August/Anfang September abgelehnt. Die Festivalorganisatoren bezeichnen dies als „einen schweren, sehr harten und unerwarteten Schlag“.
Die Bürgermeister Jeroen Baert (Boom, Nord-VA) und Jürgen Callaerts (Rumst, Nord-VA) begründen die Ablehnung des Antrags unter anderem damit, dass die Ministerialverordnung für Veranstaltungen mit bis zu 75.000 Personen noch nicht in Kraft getreten sei und die Polizei die zusätzliche Arbeit der Überprüfung von COVID-19-Zertifikaten nicht übernehmen wolle. Auch die epidemiologische Lage gebe Anlass zur Sorge.
„Als Bürgermeister tragen wir nicht nur eine strafrechtliche, sondern auch eine moralische Verantwortung“, sagt Baert. „Ich persönlich wäre sehr besorgt, wenn es infolge von Tomorrowland zu einem lokalen Ausbruch mit Todesopfern käme. Unsere größte Sorge gilt daher der epidemiologischen Lage und den Risiken für die lokale Bevölkerung.“
Callaerts stimmt dieser Erklärung zu. „Das ist eine vernünftige Entscheidung, keine Herzensentscheidung“, sagt er. „Tomorrowland ist seit Jahren hier zu Hause, und wir hoffen, sie 2022 wiederzusehen. Aber jetzt ist es noch zu früh, da die epidemiologische Lage noch nicht vollständig unter Kontrolle ist und wir auch keine Gewissheit haben, dass dies Ende August der Fall sein wird.“
Die Bürgermeister geben zwar an, dass Tomorrowland die rechtliche Möglichkeit hat, einen neuen Antrag einzureichen, weisen aber darauf hin, dass es für die Polizei zunehmend schwieriger wird, sich auf ein Festival vorzubereiten.
Schwerer Schlag für die Veranstaltungsbranche
Die Provinzregierung von Antwerpen bedauert die Entscheidung der Bürgermeister von Boom und Rumst, Tomorrowland in diesem Jahr keine Genehmigung zu erteilen, und bezeichnet dies als „schweren Schlag für die belgische Veranstaltungsbranche“.
Die Provinzregierung – und natürlich auch das De Schorre Provincial Estate – bedauern, dass Tomorrowland nicht stattfinden kann und hatten mit einer bedingten Zusage gerechnet, hieß es am Donnerstagabend. „Die notwendigen Genehmigungen können aufgrund fehlender Gesundheits- und Sicherheitsgarantien noch nicht erteilt werden. Bis Ende August ist es jedoch noch eine Weile hin, und der August wäre der ideale Monat, um die Erholung der von der COVID-Krise betroffenen Branchen zu maximieren.“
Der für De Schorre zuständige Provinzvorstandsvorsitzende Jan De Haes (N-VA) verweist ebenfalls auf den wirtschaftlichen Schaden, der durch die Entscheidung seiner Parteikollegen entstanden ist. „Festivals wie Tomorrowland bringen der Region nicht nur einen wirtschaftlichen Aufschwung“, sagt er. „Durch die vielen Zulieferer und die Anreise der Besucher aus aller Welt, selbst wenn es dieses Mal nur um die Ehre geht, ist ganz Flandern betroffen.“
Bart Somers wird sich mit Bürgermeistern über Tomorrowland beraten.
Der flämische Innenminister Bart Somers (Open VLD) wird in Kürze mit den Bürgermeistern von Boom und Rumst über die Absage des Tomorrowland-Festivals in diesem Jahr beraten. Das gab er am Donnerstag bekannt. „Wenn Pukkelpop stattfinden kann, bin ich überzeugt, dass wir auch Tomorrowland organisieren können.“
Somers möchte nun beide Bürgermeister zu dieser Entscheidung konsultieren. „Selbstverständlich liegt es in der Zuständigkeit und der lokalen Autonomie unserer Städte und Gemeinden, selbst zu entscheiden, ob bestimmte Veranstaltungen auf ihrem Gebiet stattfinden können. Die flämische Regierung hat sich jedoch dafür eingesetzt, dass Festivals in diesem Sommer wieder möglich sind. Dieser Sektor hat unter der Corona-Krise stark gelitten, und wir haben ihn mit finanziellen Mitteln unterstützt, um diese Krise zu überstehen. Ab dem 13. August sollte es nun wieder möglich sein, größere Festivals zu veranstalten.“
Ministerielle Entscheidung – kein Grund für eine negative Entscheidung
„Es liegt in der Verantwortung der lokalen Behörden, die Machbarkeit zu prüfen“, sagt Annelies Verlinden (CD&V) mit Blick auf die Entscheidung der Minister, Tomorrowland diesen Sommer nicht zuzulassen. Der Innenminister betonte umgehend im Radio 1, dass die Bundesregierung keine Schuld trage: „Die Bundesregierung hat alles in ihrer Macht Stehende getan, um die Rahmenbedingungen für die Organisation eines Festivals ab Mitte August zu schaffen.“
Verlinden hält es für unfair, dass die Bürgermeister die Ministerialverordnung als Grund anführen: „Die uns bekannte Ministerialverordnung gilt bis zum 30. Juni; sie enthält kein Verbot von Großveranstaltungen. Nach der heutigen Sitzung des Beratungsausschusses werden wir noch vor dem Sommer über die Ministerialverordnung entscheiden, wie bereits vor einiger Zeit angekündigt wurde. Die Ministerialverordnung kann kein Grund für eine negative Entscheidung in Boom und Rumst sein.“
„Der Rahmen stand bereits; wir haben den Sommer am 11. Mai besprochen“, fuhr Verlinden im VRT-Radio fort. „Es fehlte nur noch die Umsetzung in einen Ministerialerlass. Das werden wir nach der heutigen Sitzung des Beratenden Ausschusses tun. Und das ist gut so, denn wir können die günstigen Umstände, die rückläufigen Zahlen, berücksichtigen.“
Laut Verlinden lassen sich in den kommenden Tagen einige Hindernisse beseitigen. Sie deutet an, dass der Einsatz zusätzlicher Polizeikräfte für das Festival eine Möglichkeit sei. „Es ist auch denkbar, dass private Sicherheitsdienste die Besucher auf die Gültigkeit ihrer Corona-konformen Tickets überprüfen. Wir können in den nächsten Tagen möglicherweise weitere Hürden abbauen.“
Dutzende Zulieferer erleiden erneut schweren Schlag
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