Jahrelang lebte die Veranstaltungsbranche von einem einzigen starken Gefühl: der Angst, etwas zu verpassen (FOMO). Die Furcht, etwas zu verpassen, füllte Arenen, trieb den Vorverkauf von Frühbuchertickets in die Höhe und sorgte für Aufsehen in den sozialen Medien. Größere Bühnen, größere Line-ups, längere Gästelisten.
Doch etwas verändert sich. Immer mehr Veranstalter entdecken, dass kleinere, intimere Formate ein intensiveres Engagement, stärkere Markentreue und – überraschenderweise – bessere langfristige Ergebnisse erzielen. Willkommen im Zeitalter von JOMO. Die Freude, etwas zu verpassen.
Das Ende von „Größer ist besser“?
Großveranstaltungen haben nach wie vor ihren Platz. Festivals, Ausstellungen und wegweisende Konferenzen werden auch weiterhin für Aufsehen und Spektakel sorgen. Man denke nur an die Energie von Veranstaltungen wie dem Web Summit oder die weltweite Anziehungskraft von Tomorrowland.
Fragt man die Teilnehmer jedoch, was ihnen am meisten in Erinnerung geblieben ist, lautet die Antwort selten: die Größe der Veranstaltung. Es sind die Gespräche. Die unerwarteten Begegnungen. Das Gefühl, wahrgenommen zu werden. In einer Welt voller Benachrichtigungen, Inhalte und überfüllter Terminkalender ist Exklusivität zu einem Luxus geworden.
Warum intime Veranstaltungen ein stärkeres Engagement fördern
Kleinere Veranstaltungen verändern die Psychologie der Teilnahme. Bei begrenzter Teilnehmerzahl verhalten sich die Menschen anders. Sie bereiten sich vor. Sie beteiligen sich. Sie schätzen ihren Platz am Tisch. Folgendes beobachten wir branchenweit:
1. Die Aufmerksamkeit steigt
Bei einer Gesprächsrunde mit 50 Führungskräften versteckt sich niemand im Hintergrund. Die Beteiligung wird aktiv statt passiv.
2. Die Gespräche werden bedeutungsvoll.
Strukturiertes Networking funktioniert besser in einem persönlichen Rahmen. Man geht über den Austausch von Visitenkarten hinaus und baut echte Beziehungen auf.
3. Lautsprecher passen ihre Tiefe an
In kleineren Räumen können Redner ihre Ausführungen besser auf das Publikum abstimmen. Der Dialog ersetzt den Monolog.
4. Der wahrgenommene Wert steigt
Exklusivität löst Statuspsychologie aus. Wenn der Zugang beschränkt ist, steigt die Nachfrage.
Der JOMO-Effekt: Wie durch Knappheit Begehren erzeugt wird
Knappheit war schon immer ein starkes Marketinginstrument. Luxusmarken wissen das. Spitzenrestaurants wissen das. Exklusive Mitgliederclubs beherrschen es perfekt. Auch die Eventbranche holt auf.
Wenn Sie die Teilnehmerzahl bewusst und nicht aufgrund von Kapazitätsengpässen begrenzen, ändert sich Ihre Positionierung. Sie verkaufen keine Tickets mehr, sondern bieten Zugang. Diese Strategie eignet sich besonders gut für:
- Führungsgipfel
- Investorentreffen
- Marken-Communities
- Veranstaltungen zur Wertschätzung von Premium-Kunden
- Hochwertige B2B-Erlebnisse
Entscheidend ist die klare Definition der Zielgruppe. Nicht jeder sollte eingeladen werden.
Kleiner bedeutet nicht einfacher
Es herrscht der Irrglaube, dass intime Veranstaltungen leichter zu organisieren seien. Tatsächlich sind die Erwartungen höher. Bei sorgfältiger Gästeauswahl zählt jedes Detail. Gästeführung, Sitzordnung, Gesprächsverlauf, Moderation und Nachbereitung erfordern Präzision.
Hier wird Struktur entscheidend. Selbst eine Veranstaltung mit 40 Personen profitiert von klarer Planung, Aufgabenmanagement und Echtzeit-Zusammenarbeit. Eine zentrale Eventplanungsplattform vermeidet das Chaos verstreuter Tabellen und E-Mail-Ketten. Exklusivität verliert ihren Reiz, wenn die Umsetzung mangelhaft ist.
Die Daten unterstützen den Wandel
Bei Firmenveranstaltungen beobachten wir messbare Unterschiede:
- Höhere Rücklaufquoten bei Umfragen nach der Veranstaltung
- Erhöhte wiederholte Teilnahme
- Stärkeres Community-Engagement zwischen den Ausgaben
- Mehr qualifizierte Leads pro Teilnehmer
- Höhere Sponsorenzufriedenheit durch gezielte Interaktionen
Marken stellen sich zunehmend eine andere Frage. Nicht mehr „Wie viele Menschen haben teilgenommen?“, sondern „Wie intensiv war die Verbindung?“ Das ist ein bedeutender Wandel.
Die Zukunft gehört dem gestalteten Zugehörigkeitsgefühl
Die wahre Chance liegt nicht in der Größe, sondern im Zugehörigkeitsgefühl. Die Menschen sehnen sich mehr denn je nach Verbundenheit. Algorithmen haben die Informationsflut verstärkt. Persönliche Erlebnisse durchdringen sie.
Diejenigen Planer, die in den kommenden Jahren erfolgreich sein werden, sind nicht diejenigen, die auf maximale Anmeldezahlen abzielen. Sie sind diejenigen, die Räume gestalten, in denen sich jeder Teilnehmer ausgewählt, wertgeschätzt und gehört fühlt.
FOMO hat das Eventmarketing des letzten Jahrzehnts geprägt. JOMO könnte das nächste bestimmen. Und die vielleicht klügste Frage, die Sie sich für Ihre nächste Veranstaltung stellen sollten, lautet nicht: „Wie groß können wir das machen?“, sondern: „Wer muss wirklich dabei sein?“
Quelle: Photo: iStockPhoto 1340877381








