Altes Handwerk auf dem Gouda-Käsemarkt
Warum sind die alten Handwerkskünste so wichtig für den Gouda-Käsemarkt? Und warum wurden gerade diese Handwerker ausgewählt? In diesem Artikel erklären wir die Rolle, die diese Handwerkskünste in der Geschichte Goudas gespielt haben.
Jede Woche präsentieren sich Kunsthandwerker auf dem Goudaer Käsemarkt. Neben dem weltberühmten Händeklatschen der Händler und Bauern demonstrieren Kunsthandwerker ihre oft vergessenen Berufe vergangener Zeiten. So wird Goudas reiche Geschichte wieder lebendig.
Kerzenmacher
Die Geschichte der Kerze begann 1853 mit der Gründung der Stearine Kerzenfabrik. Diese Fabrik, die hochwertige, hell brennende und tropffreie Kerzen herstellte, erhielt 1899 sogar die Auszeichnung „Royal“. Im Juni 1983 wurde die Kerzenabteilung des Unternehmens von der renommierten Bolsius Kerzenfabrik in Schijndel übernommen, die Kerzenproduktion jedoch nach Waddinxveen verlegt.
Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Fabrik im Jahr 1956 wurde das Rathaus von Gouda zum ersten Mal mit Kerzen beleuchtet.
Gouda bei Kerzenschein findet seit 1956 statt. Die Veranstaltung findet an einem Tag im Dezember statt, wenn die festliche Beleuchtung des großen Weihnachtsbaums auf dem Marktplatz eingeschaltet wird. Sobald die elektrische Beleuchtung in der Umgebung ausgeschaltet und Tausende von Kerzen angezündet werden, entsteht eine zauberhafte, märchenhafte Atmosphäre.
Heute gibt es in Gouda keine Kerzenfabrik mehr, doch die Geschichte des Kerzenziehens ist so tief verwurzelt, dass diese Handwerkskunst noch immer auf dem Goudaer Käsemarkt präsentiert wird. Der Kerzenmacher absolvierte offizielle Kurse an der Gilde in Haarlem. Er bietet eine große Auswahl an Kerzen an, darunter Stumpenkerzen, Blockkerzen, Tauchkerzen, Pyramidenkerzen, Hexenhutkerzen und Schwimmkerzen, alle mit wunderschönen Mustern. Der Kerzenmacher demonstriert außerdem den Dekorations- und Tauchprozess.
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Besenbinder
Haushaltsgegenstände wie Besen waren früher unverzichtbar. Der Besenmacher spielte eine wichtige Rolle im Alltag der Wäscherin und Hausfrau. Der Hof musste sauber sein (denn was würden die Nachbarn denken, wenn man eine Woche lang nicht putzte?), die Wäsche wurde ausgeklopft, und Garten- und Sanitärarbeiten wurden durch sein Können erleichtert.
Der Besenmacher hat eine riesige Sammlung bekannter und einzigartiger Bürsten in allen Formen und Größen. Suchen Sie eine ungewöhnliche Bürste für einen bestimmten Zweck? Er hat sie bestimmt. Leider kann er nicht mehr alles selbst herstellen, das ist ihm heutzutage nicht mehr möglich. Aber Sie finden dort einen speziellen Stand mit Bürsten für jeden Zweck, die Sie in keinem Geschäft finden. Er demonstriert auch die Herstellung von Hexenbesen und kleinen Handbürsten. Diese fertigt er mit einer Prise Humor an. Zum Beispiel mit dem Aufdruck „Parken nur für Frauen“ oder mit einer Handglocke.
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Stroopwafel-Bäcker
Im Jahr 1870 erlangte die Gouda-Stroopwafel sowohl im Inland als auch im Ausland Berühmtheit. Ursprünglich wurde die Waffel als einfaches „Arme-Leute-Gebäck“ aus Keksbröseln, Teigresten und Sirup hergestellt. Im 19. Jahrhundert gab es in Gouda Hunderte von Stroopwafel-Bäckern. Heute ist ihre Zahl deutlich zurückgegangen, doch die Produktion ist so hoch, dass viele Geschäfte sie anbieten.
Die Stroopwafel-Bäckerei auf dem Gouda-Käsemarkt bereitet sie frisch zu und man kann sie warm genießen.
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Senfhersteller
Bis 1969 war Gouda ein bedeutender Standort der Senf- und Essigindustrie. Aufgrund von Übernahmen verschwand diese Industrie damals aus der Stadt (Stadtrechte seit 1272).
Der Mosterdmaker bietet eine große Auswahl an Senfsorten. Darunter viele Geschmacksrichtungen, von denen Sie wahrscheinlich noch nie gehört haben: Feige, Dill-Honig, scharf, Bauernsenf, leckere Sauce und vieles mehr. Sie können die Senfsorten vor dem Kauf probieren.
An ihrem Stand bietet sie auch verschiedene Sorten Trockenwürste an. Diese werden natürlich nicht vor Ort hergestellt, sondern sind vorgefertigt und trocknen schon seit Wochen. Einige sind geräuchert.
Zur Auswahl stehen: Drenthe-Nelken, Gewürze, italienische/mediterrane Kräuter, Walnüsse, Knoblauch usw.
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Gouda-Platte/Töpfer
Vom 17. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war Gouda für seine Töpfereien und patinierten Waren bekannt.
Mehrere Töpfereien in der Stadt produzierten die weltberühmte Gouda-Keramik und Steingutwaren. Plateel ist eine handbemalte Keramik im Jugendstil und Art déco.
Im Gouda-Museum, hinter der Sint Janskerk, kann man eine große Sammlung von Gouda-Keramik besichtigen.
Der Handwerker mit dem Lastenrad stellt Töpferwaren direkt vor Ort her, hat aber auch einen schönen Laden mit Werkstatt, wo man selbst einen Kurs belegen kann. Sie finden ihn hinter dem Waag in der Zeugstraat 92.
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Holzbearbeiter
In alten Gebäuden in Gouda, wie etwa in der Lage Gouwe und der Zeugstraat, sind noch heute Holzarbeiten aus dem Mittelalter zu finden, beispielsweise Details wie Wandstile, Kragsteine (Konsolen) und Balken.
Um 1600 wurde Eichenholz schwieriger zu beschaffen, weshalb für Bauteile wie Seitenwände leichteres Kiefernholz verwendet wurde. Allerdings musste dafür mehr davon eingesetzt werden, um die Stabilität zu gewährleisten.
Der Holzhandwerker, den man auf dem Käsemarkt in Gouda besuchen kann, arbeitet hauptsächlich mit Altholz aus Baumärkten und von Strandgutsammlern. Da er in Meeresnähe wohnt, kann er die Strände nach Holz durchsuchen und daraus allerlei Gebilde erschaffen.
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Käsehersteller
Genau darum geht es natürlich auf dem Gouda-Käsemarkt. Jede Woche steht ein Paar an dem entsprechenden gelben Zelt und erzählt Ihnen alles über den faszinierenden Prozess der Käseherstellung aus Kuhmilch. Sie erklären, was Lab und Molke sind – wichtige Bestandteile der Käseherstellung.
Der auf dem Markt hergestellte Käse wird in kleinen Würfeln an interessierte Besucher verteilt, die sich dem Fass nähern. Besuchen Sie unbedingt das freundliche Bauernpaar und lernen Sie aus erster Hand von den Experten.
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Buntglas/Tiffany
Die Geschichte der Glasmalerei in Gouda ist eng mit den berühmten Goudaer Glasfenstern der St.-Johannes-Kirche verbunden, die im 16. Jahrhundert von den Brüdern Crabeth geschaffen wurden. Diese beeindruckenden Fenster erzählen biblische und historische Geschichten und können noch heute bewundert werden.
Die Tiffany-Technik entstand um 1890 und ist nach Louis Comfort Tiffany benannt. Dabei werden Glasstücke mit Kupferfolie umwickelt und verlötet, was filigrane und detailreiche Arbeiten ermöglicht. Im Cheese Market konzentriert sich die Kunsthandwerkerin hauptsächlich auf Tiffany-Kreationen wie Lampen, Fensterdekorationen und Wandpaneele. Ihre Anwesenheit variiert; aktuelle Informationen finden Sie auf der Facebook-Seite @OudHollandsEntertainment.
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Glasgravur
Graviertes Glas war traditionell ein Luxusprodukt.
Vor langer Zeit, als Feuer und Sand aufeinandertrafen, entstand Glas: glatt, klar und geheimnisvoll. Im alten Ägypten entdeckten Handwerker, dass sie mit scharfen Steinen und Geduld winzige Linien in das Glas ritzen konnten. Sie gravierten vor allem Symbole für Götter und Pharaonen ein.
Jahrhunderte später, im Römischen Reich und insbesondere im mittelalterlichen Venedig, wurde die Glasgravur verfeinert. Meister nutzten Metallräder und Sand, um anmutige Blumen, Mythen und Familienwappen darzustellen.
Auch heute noch wird die Glasgravur praktiziert, allerdings mit modernen Werkzeugen. Die Kunsthandwerkerin demonstriert die raffinierte Kunst des Glasschleifens. Man kann sich beispielsweise einen Namen oder ein Bild in Glas oder einen Spiegel gravieren lassen.
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Wollspinnen
Die Textilindustrie Goudas bildete in seiner Vergangenheit ein komplexes Netzwerk, das viele Handwerkszweige umfasste. Insbesondere im Mittelalter war Gouda ein bedeutendes Zentrum der Wollspinnerei.
Die Textilindustrie (die Verarbeitung von Wolle zu Stoff) erlebte eine Blütezeit, mit Handwerken wie Waschen, Färben, Kämmen, Spinnen und Walken (Folle, Stampfen mit bloßen Füßen).
Um 1900 wurden auch Flachs und Hanf versponnen, und es wurden Handwerke wie die Seilherstellung, das Flechten von Kerzendochten und die Segelherstellung benötigt.
1861 wurde in Gouda auf dem Turfsingel die Goudsche Machinale Garenspinnerij (Goudsche Machinale Garenspinnerij) gegründet. Die Fabrik produzierte Wolle und Garn mit modernen Dampfmaschinen. Das Unternehmen wuchs rasch und wurde zu einem wichtigen Arbeitgeber der Stadt. Immer mehr Gebäude wurden errichtet, und Hunderte von Menschen arbeiteten dort.
Im 20. Jahrhundert geriet das Werk in Schwierigkeiten. Der Wettbewerb war hart, und neue Materialien bewährten sich nicht. Obwohl das Unternehmen 1961 den Titel „Royal“ erhielt, ging die Mitarbeiterzahl zurück. 1981 zog das Werk nach Waddinxveen um.
Zum Glück blieb die alte Fabrik in Gouda erhalten. Statt abgerissen zu werden, wurde das Gebäude zum Kulturzentrum Garenspinnerij umgebaut. Heute beherbergt es Theater, kulturelle Veranstaltungen und eine Kinderbetreuung und bewahrt so ein wichtiges Stück Goudas Geschichte.
Die beiden Wollspinnerinnen wechseln sich ab und beide haben farbenfrohe Stände, an denen Interessierte gesponnene und gefärbte Wolle sowie verschiedene bereits gefertigte Kreationen finden können.
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Mosaik
Gouda blickt auf eine lange und reiche Mosaiktradition zurück. Mosaiken finden sich in der St.-Johannes-Kirche und an verschiedenen Orten in der Stadt. Ein bekanntes Beispiel ist das Werk von Cor Dam, das ursprünglich für die Anne-Frank-Schule geschaffen wurde und heute im Wohnkomplex De Eendracht in Gouda Ost ausgestellt ist. Mosaiken der Künstlerin Janny Brugman-de Vries sind auch am Nonnenwater zu sehen.
Der Mosaikkünstler auf dem Käsemarkt verkauft unter anderem Teelichthalter, Buchstaben, Zahlen, Schmetterlinge und Schmuck aus Glasmosaik.
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Imker
Die Imkerei in Gouda galt früher eher als kleine, familiäre Beschäftigung. Heute gibt es in und um die Stadt mehrere Imker, die auch die Lebensmittelversorgung sicherstellen. Dasselbe gilt für den Handwerker. Schon als Kind besuchte er einen Kurs nach dem anderen und lernte von seinen Vorgängern.
Auf dem Käsemarkt in Gouda bietet der Imker seine selbstgemachten Honigprodukte an. Sein Sortiment umfasst Blütenhonig, Orangenblütenhonig, Zitronenhonig, Salbeihonig, Fenchelhonig und Kastanienhonig. Aus Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten kreiert sie allerlei Köstlichkeiten wie Apfel- und Birnenmarmelade, Chutneys, Mandelpaste, Vier-Rovers-Essig, Feuerwein und drei Senfsorten. Darunter natürlich Honigsenf, aber auch ein mittelalterlicher Senf aus schwarzem Senfkorn.
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Stuhlmatte
Stühle spielten natürlich schon immer eine wichtige Rolle in der Geschichte von Gouda und den Niederlanden insgesamt.
Als Restauratorin antiker Möbel liegt die Korbflechterei in ihrer Familie seit Generationen. Die Stuhlmacherin erlernte ihr Handwerk von ihrem Vater. Dieser war nicht nur Antiquitätensammler, sondern restaurierte auch allerlei Gegenstände, darunter Korbstühle. Je nach Geschichte des Stuhls verwendet sie Rattan, Binsen (eine Grasart, die bis zu drei Meter hoch wachsen kann), Stuhlrohr, Papierkordel und Seegras. Das Stuhlmuster kann mitunter aus bis zu sechs Lagen bestehen.
Auf dem Gouda-Käsemarkt demonstriert sie die Technik. Manche Stühle bestehen aus sechs Lagen geflochtenem Korbgeflecht. Sie arbeitet so schnell, dass sie in ein bis anderthalb Tagen fertig sind. Auftragsarbeiten nimmt sie ebenfalls an.
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Holzschuhmacher
Seit dem 12. Jahrhundert werden Holzschuhe vor allem auf Käsereien und in der ländlichen Gegend getragen. Sie wurden aus Weiden- oder Pappelholz gefertigt. Auch heute noch tragen Bauern auf dem Käsemarkt in Gouda Holzschuhe, wenn sie mit Käse handeln.
Die gesamten Niederlande sind bei Touristen als Holzschuhland bekannt. Ursprünglich wurden die Holzschuhe von Hand geschnitzt und geformt; ein Holzblock wurde mit Axt und Messer bearbeitet und anschließend mit einem Meißel ausgehöhlt. Körperlich war dies ein sehr anstrengender Beruf. Später im 20. Jahrhundert wurde die Herstellung maschinell durchgeführt, wodurch das Handwerk allmählich in Vergessenheit geriet. Während des Ersten Weltkriegs erlebte die Herstellung und das Tragen von Holzschuhen einen vorübergehenden Aufschwung, da Leder für Schuhe sehr knapp wurde.
Der Holzschuhmacher bringt eine altmodische Werkbank mit, um zu erklären, wie die Holzschuhe früher von Hand gefertigt wurden. Ein beliebtes Handwerk bei Touristen. Doch Holzschuhe sind auch im Alltag, bei der Gartenarbeit oder bei der Arbeit im Freien eine große Hilfe: Sie wärmen und lassen sich leicht an- und ausziehen.
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Praktische Informationen
Der Goudaer Käsemarkt ist vom 2. April bis zum 27. August 2026 jeden Donnerstag von 10:00 bis 12:30 Uhr auf dem Markt zwischen dem ehemaligen Rathaus und der Waag in Gouda geöffnet.
